Kinderinsel



Die seit 1975 bestehende
Kinderinsel Hamburger Allee ist eine Einrichtung der freien Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt im Stadtteil Bockenheim/Süd. Die Einrichtung vereint die Bereiche Hort und Offene Kinderarbeit für Kinder im Alter von 6 - 12 Jahren sowie Familienbildung und -beratung unter einem Dach. Seit 2011 wird die multikulturelle Einrichtung Kinderinsel Hamburger Allee als Kinder- und Familienzentrum durch das Sozialministerium des Landes Hessen unterstützt.

Die MitarbeiterInnen der Kinderinsel bieten den Kindern Möglichkeiten zur individuellen und selbstverantwortlichen Lebensgestaltung über die familiären und schulischen Erziehungsbereiche hinaus. Ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit liegt in der parteilichen Unterstützung der Kinder, der Vertretung ihrer Interessen, sowie in der Wahrnehmung und Befriedigung ihrer Bedürfnisse.

Ein weiteres Hauptaugenmerk der pädagogischen Zielsetzung ist es, die Familien zu begleiten, um die Integrations- und Bildungschancen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern. Hierzu benötigt wird eine langfristig wirksame und ganzheitliche Förderung, die sich an den Bedürfnissen aller Kinder orientiert und die Eltern als wichtigste Bezugspersonen und erste „ErzieherInnen“ stärker einbezieht. Daher hat sich die Kinderinsel Hamburger Allee auf den Weg gemacht, die Kindertageseinrichtung zu einem stadtteilbezogenen Kinder- und Familienzentrum auszubauen.

 

Konzept-Map

für

Kinder- und Familienzentrum

 

KINDERINSEL

 1.    Präambel Trägerverein

 

Leitbild zur Einrichtung, der positive Blick

Prinzipien zur Einrichtung 

Leitsätze zum Kind - jedes Kind ist exzellent

Leitsätze zu den Eltern - Eltern als Experten ihrer Kinder

Leitsätze zur Familie

Leitsätze zum Sozialraum

Leitsätze zur GesellschaftjVernetzung

2. Geschichte und Tradition der Einrichtung

3.  Rahmenbedingungen 

a) Träger

b)  Gesetzliche Grundlagen und Auftrag der Einrichtung

c)  Hausgröße

d)  Finanzierung

e)  Personal und deren Qualifikation - hauptamtlich pädagogisches Team, Hauswirtschaftskräfte, studentische Honorarkräfte, Leitung

f)   Öffnungs- und Schließungszeiten

 

4.   Zielgruppen

 

a)   Kinder unter 3 Jahren

b)   Kinder von 3 bis 6 Jahren

c)   Grundschulkinder

d)   Eltern der Einrichtung und des Stadtteils

e)   Familien der Einrichtung und des Stadtteils

 

5.  Leitziele des Kinder- und Familienzentrums

 

a)   Bildungspolitische Ziele

 

  • Bildung und Erziehung von Kindern fördern;
  • Begeisterung und Freude fürs Lernen wecken;
  • Lebenslanges Lernen anlegen;
  • Bildungspolitische Akzente setzen;
  • Neue Formen des Lernens initiieren;
  • Erziehung und Bildung von Anfang an etablieren;

Modelleinrichtung mit Kompetenz- und Fortbildungszentrum für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte einrichten.

     b)    Familienpolitische Ziel

 

    • Eltern als die ersten und wichtigsten Erzieherinnen ihrer Kinder wertschätzen, einbinden und beteiligen;
    • Erziehungspartnerschaften zwischen Eltern, Kindern und Erzieherinnen aufbauen;
    • Module der Elternbildung und bedarfsgerechte Unterstützungsangebote einrichten und ausbauen;
    • Förderung der Selbständigkeit von Familien durch spezielle Angebote für Eltern, die ihre erzieherischen, persönlichen und beruflichen Kompetenzen stärken;
    • Interkulturalität berücksichtigen.

 

     c)    Gesundheitspolitische Ziele

 

    • Psychomotorische Gesundheit von Kindern fördern;
    • Die Selbstorganisation der Familien zu gesunder Lebensweise unterstützen;
    • Gesundheitsfördernde Aktivitäten als wichtigen Bestandteil integrieren;
    • Professionell Tätige aus Jugendmedizin, Logopädie, Ergotherapie, Jugend­und Familienberatung einbinden.

 

     d)    Netzwerkziele

 

    • System ischen und sozialräumlichen Ansatz integrieren;
    • Sozialräumliche Netzwerke aufbauen
    • Interdisziplinarität gewährleisten, d.h. unterschiedliche Berufsgruppen, pädagogische, medizinische und handwerklich Fachrichtungen ins Kinder­und Familienzentrum einbinden(z.B. Kommunaler Sozialdienst, Jugend­und Familienberatung, Gesundheitsdienste, Stadtteilkultur, Handwerk)
    • Ressourcenorientierte Zusammenarbeit fördern
    • Trägerübergreifendes Forum aller Familienzentren zum Erfahrungsaustausch, zur Weiterentwicklung und Fortbildung etablieren.

 

6  Ressourcen und Know-how der pädagogischen Mitarbeiterinnen

 

7    Verwirklichung der Ziele im Kinder- und Familienzentrum

 

     a)    Bereich Familienbildung.

     b)   Bereich Erziehungsberatung

     c)   Bereich Kinderbetreuung

     d)   Sozialraumbezug/Lebensweltorientierung

     e)   Zusammenarbeit in Netzwerken im Stadtteil und in der Stadt

 

Stand: 18.05.2010

 

KINDERINSEL

Gründungskonzept

1992

 

Inhaltsverzeichnis

I.          Ausgangslage 

            1. Situation im Stadtteil 

            2. Treffpunkt für türkische Kinder und Eltern 

            3. Wolke 7 

            4. Notwendigkeit eines Zusammenschlusses 

            5. Trägerschaft 

            6. Finanzierung 

 

II.         Pädagogische Grundlagen 

            1. Aufgaben und Ziele 

            2. Organisatorische Ausgestaltung 

            3. Praxisreflexion

 

III.        Arbeitsgebiete         

            1. Hausaufgabenhilfe 

            2. Freizeitpädagogische Arbeit 

            3. Familienpädagogische Beratung und Betreuung

            4. Schulkontakte 

            5. Stadtteilorientierte Sozialarbeit

            6. Geschlechtsspezifische Arbeit 

 

IV.       Ausblick

            1. Pädagogische Problemstellungen 

            2. Organisatorische Problemstellungen

            3. Folgen für die Finanzierung 

 

I.          Ausgangslage 

 

1. Situation im Stadtteil

Der Stadtteil Bockenheim ist geprägt durch seine citynahe Lage, eine dichte Besiedelung und einen hohen MigrantInnenanteil in der Bevölkerung. Die Bevölkerungszahlen im Stadtteil waren jedoch in den letzten Jahren stark rückläufig, was zum Teil auch mit der Abwanderung verschiedener Betriebe und dem damit verbundenen Umzug dort beschäftigter ArbeitnehmerInnen in Zusammenhang steht. Die früher vorhandene Einheit von Wohnen und Arbeit ist damit in den letzten Jahren zusehends verloren gegangen.

Im Jahre 1978 wurden Teile Bockenheims zum Sanierungsgebiet erklärt. Über die Sozialverträglichkeit des Sozialplans in der Sanierung Bockenheim wurde seinerzeit eine Studie angefertigt, der u.a. zu entnehmen ist, daß durch die Sanierung erfolgte Veränderungen in der Wohnsituation überwiegend positiv aufgenommen wurden.

Seit Aufhebung der Mietpreisbindung zeigt sich jedoch, daß Bockenheim immer mehr dem Zuzug besser Verdienender ausgesetzt ist, was zu einer Verdrängung großer Teile der ursprünglichen Bevölkerung führt und auch in der Umgestaltung der Leipziger Straße zur Einkaufsstraße gehobenen Niveaus seinen Ausdruck findet. Die Vielfalt, die Bockenheims besonderen Reiz ausmachte, muß mehr und mehr einer postmodernen Hochglanzarchitektur weichen.

Im Zuge dieser Veränderungen werden letzte Freiflächen bebaut, und es läßt sich eine vermehrte Ansiedlung von Werbeagenturen, Versicherungen etc. verzeichnen.

Diese Entwicklung macht die Einrichtung des von uns geplanten Kinderhauses als Insel in  Bockenheim-Süd dringend notwendig.

 

2. Treffpunkt für türkische Kinder und Eltern

Seit 1975 befindet sich der Treffpunkt für türkische Kinder und Eltern als eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt im Stadtteil Bockenheim in der Hamburger Allee 88b.

Dieses Gebiet weist einen hohen MigrantInnenanteil auf. Ursprünglich war der Treffpunkt eine Einrichtung, die nur von türkischen Kindern frequentiert wurde. Inzwischen kommen auch Kinder anderer Nationalitäten, die im Viertel wohnen, in unsere Einrichtung, die damit multinational geworden ist.

Wir bieten an fünf Nachmittagen in der Woche für die Kinder im Grundschulalter von 6-11 Jahren jeweils vom 13.30 bis 17.30 Uhr eine Hausaufgabenhilfe sowie Freizeitaktivitäten an. Außerdem bieten wir an 2 Nachmittagen pro Woche gesonderte Angebote für Jungen und Mädchen. 

Zur Zeit besuchen insgesamt 31 Kinder, die aus der Türkei, Italien, Marokko, Jugoslawien, Tunesien und BRD stammen, unsere Einrichtung. 

Zur Zeit arbeiten in der Einrichtung: 1 Sozialarbeiter, 1/2 Sozialarbeiterin, 1 Berufspraktikantin sowie StudentInnen des Fachbereichs Sozialarbeit der Fachhochschule Frankfurt.

Allgemeine Aufgabenschwerpunkte sind die Betreuung von MigrantInnenkindern durch Hausaufgabenhilfe und Freizeitaktivitäten sowie Schulkontakte, Elternarbeit und stadtteilbezogene Arbeitskontakte.

Aus der inhaltlichen Konzeption und pädagogischen Zielsetzung stellen sich die praktischen Arbeitsfelder der Einrichtung folgendermaßen dar.:

 

-           Hausaufgabenhilfe

-           Freizeitpädagogische Aktivitäten

-           gesonderte Angebote für Mädchen und Jungen

-           Elternarbeit

-           Schulbesuche

-           Stadtteilkontakte zu anderen sozialen Einrichtungen

 

a. Hausaufgabenhilfe

Die Hausaufgabenhilfe umfasst neben der Beaufsichtigung der Hausaufgaben das Üben von Bereichen, in denen die Kinder Schwierigkeiten haben, z.B. Rechtschreibung, das Üben für Diktate und Arbeiten sowie Lernspiele.

 

b. Freizeitpädagogische Aktivitäten

Zu den freizeitpädagogischen Aktivitäten zählen sportliche, musische, gestalterische und kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen (Besuche von Kinder-, Musiktheater, Kinderzirkus, Museen ...), Exkursionen, Besichtigungen und Feste.

 

c. Gesonderte Angebote für Mädchen und Jungen

"Abschied von der Koedukation" ist nicht das Ziel, das wir uns auf die Fahnen geschrieben haben. Es kann und soll auch nicht darum gehen, neben einem Jungentreffpunkt noch einen separaten Mädchenclub entstehen zu lassen. Es geht vielmehr darum, an einigen Nachmittagen getrennte Angebote zu offerieren. Die im geschlechtlich getrennten Bereich gemachten Erfahrungen sollen dann im Idealfall im gemischten Bereich der Einrichtung in einen gemeinsamen sozialen Lernprozeß einfließen.

 

d. Elternarbeit

Die Elternarbeit ist durch Telefonberatung und persönliche  Gespräche gekennzeichnet. Bei den Elternbesuchen wird über die Arbeit im Treffpunkt informiert, Erziehungsfragen und Schulprobleme sowie mögliche Lösungen werden erörtert.

Gesprächsthemen sind hier z.B. Aggression, Strafe, Bedeutung des schulischen Lernens, Wert des Spielens und Fernsehkonsums. Zudem werden die Eltern in sozialen und juristischen Fragen betreut und ihnen angemessene Hilfestellungen angeboten. Hierzu zählt z.B. das Ausfüllen von Formularen sowie die Begleitung zu Institutionen und Ämtern.

 

e. Schulbesuche

Die  Zusammenarbeit mit der Schule ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Hierzu zählt in erster Linie die Bonifatiusschule, da diese vom Großteil unserer Kinder besucht wird.

Zunächst einmal wird zu den KlassenlehrerInnen der SchülerInnen Kontakt aufgenommen, um einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren. Bei den Schulbesuchen informieren wir uns über den Leistungsstand der SchülerInnen und erkundigen uns, in welchem  Bereich die Kinder Probleme haben und diskutieren gemeinsam mit den LehrerInnen über die weitere Vorgehensweise sowie über Lösungsmöglichkeiten. Wir lassen uns hierbei von den LehrerInnen Ratschläge und Hilfestellungen geben, wie wir den Kindern bestimmte Zusammenhänge erklären können, um sie möglichst schnell an das Lernniveau der Klasse annähern zu können. So ist es auch für uns interessant, am Unterricht teilzunehmen, zu hospitieren und somit auch einmal die Kinder im Klassenverband zu erleben. Um uns und unsere Arbeit dem gesamte Kollegium vorzustellen, werden wir zu Konferenzen eingeladen. Zur Erörterung bestimmter  Themengebiete und Problemstellungen werden auch LehrerInnen der Bonifatiusschule in unsere Einrichtung eingeladen. Die Kontakte  zur Schule sind hilfreich, um bei der Hausaufgabenhilfe gezielter auf die schulischen Probleme der Kinder einzugehen.

 

f.  Stadtteilkontakte

Seit mehreren Jahren gibt es die Stadtteil AG der sozialen  Einrichtungen in Bockenheim. Zwischen den Kindereinrichtungen im Stadtteil entstand dabei ein reger Kontakt. Die Treffen der AG finden monatlich statt.

Darüber hinaus nehmen wir an der "AG Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt am Main" beim Stadtjugendring teil. Dort werden neue Inhalte von Kinder- und Jugendarbeit diskutiert. Wir können aber auch Kontakte zu Kindereinrichtungen in anderen Stadtteilen knüpfen und etwas erarbeiten.

 

2. Wolke 7

Der Internationale Hort "Wolke 7" in der Hamburger Allee 52 nahm seinen Betrieb im September 1989 auf.

Vorausgegangen war eine Initiative von Eltern, die für ihre schulpflichtigen Kinder im Stadtteil Bockenheim eine Ganztagsbetreuung benötigten. Nach langem Suchen fanden sie die derzeitigen Räumlichkeiten der Wolke 7 gegenüber der Grundschule Bonifatius. Um die Räume zu mieten und die fortlaufende Finanzierung zu gewährleisten, übernahm im Sommer 1989 die Lehrerkooperative e.V. die Trägerschaft für dieses Projekt.

Der Hort umfaßt 15 Kinder im Alter von 6-12 Jahren aus vielen verschiedenen Nationen und wird ausschließlich von SchülerInnen der gegenüberliegenden Bonifatiusschule besucht.

Das Personal besteht aus einer Sozialarbeiterin, eineinhalb Erzeiherinnen, einer studentischen Honorarkraft, einer Hauswirtschafts- und einer Reinigungskraft.

 

Die inhaltliche Arbeit besteht in

-           Hausaufgabenhilfe

-           Freizeitgestaltung

-           Elternarbeit

-           Schulkontakte

-           Kontakte zu verschiedenen Institutionen 

 

a. Hausaufgabenhilfe

Die Hausaufgabenhilfe umfasst neben der Beaufsichtigung der Kinder eine Hinführung zum selbständigen Arbeiten.

 

b. Freizeitgestaltung 

Die Freizeitgestaltung wird weitgehend von den Kindern mitbestimmt, wobei deren momentane Bedürfnisse im Vordergrund stehen (situativer Ansatz). Unsere Aktivitäten beinhalten unter anderem Besuche kultureller Veranstaltungen (Kindertheater, Zirkus, Museen, Ausstellungen...), sowie die Erkundung der näheren Spiel- und Lebensräume der Kinder.

 

c. Elternarbeit

Elternarbeit besteht zum einen aus regelmäßig stattfindenden Elternabenden, in denen Themen die im allgemeinen Interesse liegen besprochen werden, zum anderen aus den persönlichen Elterngesprächen, bei denen individuelle Problemstellungen erörtert und mögliche Hilfen angeboten werden.

Zudem findet ein schriftlicher Informationsaustausch mit den Eltern statt.

 

d. Schulkontakte

Als wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sehen wir den pädagogischen Austausch zwischen den Lehrkräften unserer Hortkinder und den MitarbeiterInnen an.

Desweiteren sind wir offen für jegliche Kontakte und einen Austausch mit anderen sozialen Institutionen.

 

4. Notwendigkeit eines Zusammenschlusses

Aus der geschilderten Mangelsituation im Stadtteil bedeutet die Kooperation der beiden Einrichtungen "Wolke 7" und "Treffpunkt" eine logische Konsequenz. Der Zusammenschluß führt sowohl zu einer organisatorischen Erweiterung als auch zu einer inhaltlichen Vervollständigung der Vorstellung von festen Bezugsrahmen einerseits und Selbstätigkeit andererseits (siehe II.)

Nach Diskussionen mit den zuständigen Ämtern und der Lehrerkooperative ergab sich die Möglichkeit einer organisatorischen und inhaltlichen Zusammenführung der Einrichtungen in einem Kinderhaus. Die Vorstellung, im südlichen Bockenheim eine Insel für Kinder zu errichten, fand nach ausführlichem Austausch die uneingeschränkte Zustimmung des Frankfurter Jugendamtes. 

Außerdem ergibt sich aus der räumlichen Situation bereits die Notwendigkeit einer integrierten Einrichtung, wenn mehr als die bisher angemeldeten Kinder das Kinderhaus frequentieren sollen. Dies war ohnehin eine der Forderungen, mit denen Eltern wie Kindereinrichtungen aus der Umgegend politisch arbeiteten.

 

5. Trägerschaft

Der Träger der Einrichtung ist das Türkische Volkshaus Frankfurt  e.V. in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Schulamt der Stadt Frankfurt am Main.

Die wissenschaftliche und pädagogische Betreuung der Einrichtung erfolgt durch die Fachhochschule Frankfurt, FB Sozialarbeit, vertreten durch Herrn Prof. Lothar Kupp.

 

6. Finanzierung

Die für die Arbeit der Einrichtung nötigen finanziellen Mittel werden vom Jugendamt und Stadtschulamt der Stadt Frankfurt gestellt.

Sie werden ergänzt durch Elternbeiträge und Zuschüsse von der Arbeiterwohlfahrt.

 

I.  Pädagogische Grundlagen

 

1. Aufgaben und Zielsetzung

Wir verstehen das Kinderhaus als eigenständige multikulturelle Einrichtung mit dem Anspruch, den Kindern über die familiären und schulischen Erziehungsbereiche hinaus Möglichkeiten zur individuellen und selbstverantwortlichen Lebensgestaltung zu eröffnen.

Wir betrachten uns als FürsprecherInnen der Kinder und legen den Schwerpunkt unserer Arbeit auf parteiliche Unterstützung ihrer Interessen und Bedürfnisse.

Wir wollen einen Frei- und Schutzraum bieten, der den Kindern ermöglicht

-           selbstbestimmte Spiel- und Lernerfahrungen zu erleben

-           stabile persönliche Beziehungen aufzubauen

-           Konflikt- und Liebesfähigkeit zu entwickeln

-           grupenbezogenes Handeln zu üben

-           individuelle Neigungen zu verwirklichen

-           Ängste und Konflikte zu äußern und darin ernst genommen zu  werden

-           Unterstützung bei der Erledigung der Hausaufgaben

-           abwechslungsreiche Spiel-, Bewegungs- und

            Beschäftigungsangebote wahrzunehmen

-           Förderung des interkulturellen Austausches.

 

Darüber hinaus ergibt sich für die Kinder von MigrantInnen folgende Zielsetzung:

-           Unterstützung bei der Bewältigung kulturbedingter

            Anforderungen und Schwierigkeiten (Zweisprachigkeit etc.)

-           Entlastung von familiären Anforderungen und Verpflichtungen,

            da sie häufig ihrem Alter nicht entsprechende Aufgaben über-

            nehmen müssen (Betreuung von Geschwistern, DolmetscherInnen

            funktionen etc.) und daraus folgt vor allem für die Mädchen

-           Bestärkung im Streben nach schulischer und außerschulischer Bildung und Qualifikation

 

2. Organisatorische Ausgestaltung

Die Kinder im Kinderhaus werden im Rahmen einer Ganztagsbetreuung in zwei Gruppen (mit jeweils 20 Plätzen) und in offener Kinderarbeit (mit 20 Plätzen) betreut.

Für die Ganztagsbetreuung (7.30 - 17.00 Uhr) und die offene Kinderarbeit ( 13.00 - 17.00) stehen feste Bezugspersonen und eigene Räume mit Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Gegensatz zur Ganztagsbetreuung ist die offene Kinderarbeit freiwillig und kostenlos.

 

Erforderliches Personal

-           1.5 Fachkräfte pro Betreuungseinheit

-           1 nebenamtliche Kraft pro Betreuungseinheit

-           1 Hauswirtschaftskraft

-           1 Putzkraft

 

3. Praxisreflexion

Den Rahmen der Praxisarbeit bilden Teambesprechungen und Sitzungen die regelmäßig ein Mal wöchentlich stattfinden.

Neben der Klärung organisatorischer Aufgaben wollen die Teamsitzungen ein Forum für Diskussionen unmittelbarer pädagogischer Alltagskonflikte darstellen.

Die Praxisreflexion dient dem kontinuierlichen Austausch über die  praxisbezogene Arbeit. Sie wird bisher von Prof. Lothar Kupp, dem pädagogisch-wissenschaftlichen Begleiter der Einrichtung Hamburger Allee 88b durchgeführt. Die MitarbeiterInnen sollen dadurch bei der intensiven Aufarbeitung ihrer persönlichen berufsbezogenen Probleme betreut werden.

 

III.        Arbeitsfelder

1. Hausaufgabenhilfe

Die Hausaufgabenhilfe umfasst neben der Beaufsichtigung der Hausaufgaben das Üben von Bereichen, in denen die Kinder Schwierigkeiten haben.

Neben der Hausaufgabenhilfe müssen viele Kinder außerhalb der Schule in Form von Förder- oder Nachhilfekursen sowie muttersprachlichem Unterricht bereits vielen Verpflichtungen nachkommen. So ist der Besuch der Hausaufgabenhilfe zwar freiwillig gehalten, jedoch gilt es, Kindern wie Eltern einsichtig zu machen, daß nur ein einigermaßen regelmäßiger Besuch der Hausaufgabenhilfe ein Fortkommen und eine Verbesserung der schulischen Situation bewirken kann. Dabei soll das Angebot von Lernspielen eine Eigenmotivation der Kinder fördern.

Vielfach sehen die Eltern Freizeitaktivitäten sowie die Schulbildung ihrer Töchter als nicht so wichtig an. So kommt es vor, daß ein Mädchen früher nach Hause muß als der Bruder, auch wenn sie mit den Hausaufgaben noch nicht fertig ist, um der Mutter beim Haushalt zu helfen oder auf die jüngeren Geschwister aufzupassen. Unsere Aufgabe ist es, hierbei ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern aufzubauen und ihnen die Notwendigkeit einer guten Schulbildung auch für Mädchen näherzubringen. 

 

2. Freizeitpädagogische Arbeit 

Die Freizeitaktivitäten der Einrichtung umfassen täglich ein Angebot aus einem der folgenden festgelegten Schwerpunkten:

-           Schwimmen

-           Holzarbeit

-           Backen/Kochen

-           Mädchen-  und Jungenarbeit

-           Basteln/Umgang mit Materialien

-        Gestaltung von Freizeitflächen im Stadtteil, beginnen wollen  wir mit der Hamburger Allee               auf Höhe der Bonifatiusschule.

Bei den Aktivitäten Backen/Kochen sowie Holzarbeit liegt eine pädagogische Zielsetzung auch darin, nicht die in den Familien oft übliche, geschlechtsspezifische Einteilung: Mädchen-Kochen, Jungen-Werken vorzunehmen, um den Kindern die Möglichkeit zu eröffnen, sich auch bisher fremde Aufgabengebiete zu erschließen und einer starken Geschlechtsrollenfestlegung entgegenzuwirken.

Die Kinder können meist selbst entscheiden, was sie kochen oder backen wollen. Beim Einkauf sollen sie selbst überlegen, welche Zutaten wir benötigen, um sie hier zu selbständigem Handeln zu befähigen. Beim Basteln lernen die Kinder die verschiedenen Materialien und Werkstoffe sowie den Umgang damit kennen. Aufgrund der bestehenden Konzentrationsschwierigkeiten und manuellen Unfertigkeiten ist es wichtig, daß eine Bastelarbeit an einem Nachmittag abgeschlossen wird. Die Kinder stellen so ein eigenes Produkt her, auf das sie stolz sind. Dabei können Frustrationen bei den Kindern verringert und allmählich abgebaut werden. Bei der Herstellung der Produkte werden außerdem kreative Prozesse gefördert: Die Kinder sollen etwas kreativ herstellen und individuell gestalten. Dabei lernen sie die eigenen Bedürfnisse kennen und diese umzusetzen. Wir leisten dabei Hilfestellungen und üben eine Beraterfunktion aus. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten und hinzuweisen, daß die Kinder sich gegenseitig helfen oder auch gemeinsam etwas herstellen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist der Besuch von Kinderkulturveranstaltungen, da wir es für sehr wichtig halten, schon möglichst früh ein kulturelles Interesse bei den Kindern zu wecken. Dazu zählen neben dem Besuch von Kinderzirkus und Museen regelmäßige Angebote im Rahmen des Kinderkulturprogrammes in Jugendhäusern Theater- und Musiktheaterveranstaltungen.

Um die Sprachprobleme der Kinder zu beheben, sehen wir es als weitere wichtige Aufgabe an, das Interesse am Lesen zu fördern. So achten wir beim Kauf von Kinderliteratur auf eine kindgerechte Aufmachung. Hierbei soll das Text-Bild-Verhältnis ausgeglichen und die Schrift möglichst groß sein. Ein wichtiges Auswahlkriterium besteht darin, daß die Bücher auch den emanzipatorischen Aspekt aufgreifen. Die Bedeutung der Kinderliteratur ist ebenfalls ein Thema der Elternbesuche. Es ist geplant, in nächster Zeit mit den Kindern einen Büchereibesuch durchzuführen, bei dem eine Führung stattfinden soll. Hierbei sollen die Kinder zum selbständigen Umgang mit dieser Institution angeleitet werden, so daß sie motiviert werden, eigenständig die Bücherei aufzusuchen und wissen, wie sie sich geeignete Literatur zugänglich machen können. 

Die Kinder haben ein infolge beengter Wohnverhältnisse und dem sehr disziplinierten Verhalten in der Schule großes motorisches Bedürfnis, das sich in Verhaltensweisen wie Aggressivität gegenüber anderen, Rumtoben und Schlagen äußert. So ist es unsere Aufgabe, dieses Verhalten in ein gezieltes Spielangebot nach den Hausaufgaben wie Ballspiel, Spielplatzbesuch, Tischtennis umzuleiten und die Aggressionen abzubauen. 

Weiterhin lassen wir die Kinder Vorschläge für die Programmplanung machen, so daß sie lernen, ihre Bedürfnisse zu verbalisieren.

Letztendlich achten wir darauf, daß die Kinder selbst aufräumen, um eine Verantwortlichkeit gegenüber ihren Spielmaterialien und Räumen zu fördern.

 

3. Schulkontakte

Aufgrund des hohen MigrantInnenanteils im Stadtteil Bockenheim weist die hier gelegene Bonifatiusschule ebenfalls einen hohen Prozentsatz an ausländischen Kindern auf. Dies hat meist sehr heterogene Lerngruppen zur Folge. 

Bei den unterschiedlichen Lernplateaus der SchülerInnen muß bei Vermittlung des Stoffes in der Schule differenziert auf die Kinder eingegangen werden und es bedarf eines gestuften Lernangebotes mit unterschiedlichen Lernhilfen seitens der Lehrkräfte. Wegen der zum Teil großen Heterogenität der Lerngruppen vermag der Unterricht die unterschiedlichen Lernniveaus allerdings nicht immer auszugleichen, so daß dieses nur durch eine Hausaufgabenhilfe mit zusätzlichen Übungen, wie dies in unserer Einrichtung vorgenommen wird, versucht werden kann. 

 

4. Familienpädagogische Beratung und Betreuung 

Elternarbeit besteht zunächst aus dem gegenseitigen Kennenlernen von Eltern und SozialarbeiterInnen. Hierbei hat sich in der Praxis der Hausbesuch entgegen früher angebotener aber nicht wahrgenommener Elternabende als erfolgversprechendste praktikable Möglichkeit erwiesen, da sich die Eltern in ihrer häuslichen Umgebung am sichersten fühlen. Für uns BetreuerInnen ist es wichtig, das Elternhaus sowie das soziale Umfeld des Kindes näher kennenzulernen, um besser mit dem Verhalten der Kinder umgehen zu können, und die Eltern bei ihren Problemen zu unterstützen.

Vielfach bildet die hiesige Bürokratie für die Familien u.a. auch durch die Verunsicherung durch die Sprachbarriere eine große Hürde bei der Problembewältigung. Unser Ziel ist es, die Eltern durch entsprechende "dosierte" Hilfe nach und nach zu befähigen, Probleme selbständig zu lösen und notwendige Handlungsschritte eigenhändig einzuleiten und mit ihnen auch bgl. Erziehungsfragen ins Gespräch zu kommen (z. B. Video, Fernsehen ...). Zur Vertrauensbildung können gemeinsame kulturelle Aktivitäten mit Eltern und Kindern beitragen. 

 

5. Stadtteilorientierte Sozialarbeit 

Wir halten die Verankerung des Kinderhauses in die sozialen und politischen Rahmen des Stadtteiles für wichtig und notwendig. Zu diesem Zweck wollen wir den Kontakt zu anderen Sozialen- und Kindereinrichtungen herstellen und eine kontinuierliche Zusammenarbeit und Koordination fördern.

Hierzu gehört die Mitarbeit in der Koordinationsgruppe "Neuplanung der offenen Kinder- und Jugendarbeit" im Frankfurt am Main.

 

6. Geschlechtsspezifische Arbeit

Ausgehend von der Tatsache, daß bereits im Kindergarten und im Vorschulalter das Geschehen von Jungen gemäß dem Grundsatz "wer am lautesten schreit, erhält am ehesten Gehör" dominiert wird, wollen wir den Mädchen, die unsere Einrichtung besuchen, Freiräume schaffen, die es ihnen ermöglichen, eigene Bedürfnisse zu artikulieren und erfolgreich in die Tat umzusetzen. Auch wenn in der Regel davon ausgegangen wird, daß der Umgang von Jungen und Mädchen im Grundschulalter noch von "friedlicher Koexistenz" geprägt wird, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, daß bereits in dieser Altersgruppe sexistische Verhaltensweisen der Jungen ausgeprägt zu Tage treten. Dem gilt es nun, innerhalb der Mädchenarbeit sowie einer ihr gegenüberstehenden Jungenarbeit entgegenzutreten, wobei sich die Gestaltung und Konzeptionierung der Jungenangebote bislang immer noch als sehr schwierig erweist, da man leicht dazu neigt, Angebote zu machen, die tradiertes Rollenverhalten eher untermauern als in Frage zu stellen. Im Grunde ist jedoch eine erfolgreiche Mädchenarbeti in einer gemischten Eirnichtung nur dann realisierbar, wenn sie mit einer Jungenarbeit korrespondiert.

 

IV. Ausblick

1. Pädagogische Problemstellungen

Die Lage der Kinder im Stadtteil ist mit der "Kinderinsel" für Grundschulkinder nicht zu lösen. Die Beengtheit des Hauses läßt das Problem der Lückenkinder(das sind Kinder vom 5. bis zum 7. Schuljahr) zwangsläufig außen vor. Nicht nur unsere Erfahrungen haben gezeigt, daß eine Zwischenlösung nur bei großzügiger Raumgstaltung, Rückzugsmöglichkeiten usw. möglich ist. Andere Kinder- und Jugendeinrichtungen erstellen ebenfalls Modelle mit getrennten Angeboten.

Dies entläßt uns nicht aus der Verpflichtung, nach Alternativen zu suchen, um diesen Kindern eine zufriedenstellende, kontinuierliche Unterstützung zukommen zu lassen. Die Erweiterung der beiden Projekte zu einem größeren Kinderhaus ließe zumindest die Räumlichkeiten der Hamburger Allee 88b als erstes Forum offen. Die finanziellen Bedingungen lassen allerdings die Ausgestaltung eines derartigen Modells momentan illusorisch erscheinen.

Eingeweihte sind sich der Problematik bewußt, welche Folgen aus der fehlenden Unterstützung der Lückenkinder erwachsen. Insbesondere diese Phase der Kindheit macht eine pädagogische Begleitung unerläßlich. Bestehendes Gewaltpotential kann ohne Hilfestellung nicht aufgefangen werden. Darum wäre ein zusätzliches Arbeitsfeld "Arbeit mit Lückenkinder"  dringend erforderlich. Räume dazu stünden zur Verfügung.

 

2. Organisatorische Problemstellungen

Weitere Fragestellungen können auf dem Wege der Umstrukturierung gelöst werden. Hierzu zählen die Erweiterung der Freizeitangebote, die durch die intensivere Zusammenarbeit mit der Schule gewährleistet werden kann, die Eröffnung der Möglichkeit, den Kindern aus dem offenen Bereich ebenfalls bei Bedarf Essen anzubieten u.v.a.m.

Um eine intensive Teamarbeit gewährleisten zu können -  insbesondere nach der Vergrößerung des Teams - kann auf verschiedene Formen des Austausches nicht verzichtet werden. Sowohl die interne Auseinandersetzung als auch die Begleitung durch eine außenstehende SupervisorIn gewinnt durch diese Konstellation an Bedeutung.

Konkret heißt das, auf die Arbeit bezogen: neben wöchentlichen Teamsitzungen und der stattfindenden Praxisreflexion muß die Möglichkeit einer Aufarbeitung durch Supervision gegeben sein. Auch dazu fehlen entsprechende finanzielle Mittel.

Der kontinuierliche Austausch zwischen Kinderhaus, Schule und Eltern ist ein wesentlicher Faktor der Arbeit im Kinderhaus. Er wird ermöglicht durch die Schaffung eines Gremiums mit VertreterInnen der jeweiligen Bereiche, das regelmäßig tagt.

Neben der Arbeit die dirket mit der Organisation und den Inhalten des Kinderhauses zusammenhägt halten wir die Ermöglichung der Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsangeboten für die MitarbeiterInnen für unabdingbar. Nur so kann die pädagogische Arbeit fortlaufend reflektiert, verbessert und ergänzt werden.

 

3. Folgen für die Finanzierung

Die Mittel, die aus dem Soforthilfeprogramm des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt verfügbar gemacht werden könnten, reichen nicht aus, um die laufenden Kosten und die notwendigen Umbaumaßnahmen für die geplante Einrichtung zu finanzieren. 

Auch für die sehr dringliche Arbeit mit Lückenkindern stehen bisher keine finanziellen Quellen zur Verfügung.

 

Frankfurt, 1992